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05) Der Stadtbrand 1725

Die Tafel 5 befasst sich mit dem 12. April 1725, der sicherlich eine der schrecklichsten Wegmarken in der Plettenberger Stadtge­schichte darstellt. In dem folgenden Text sollen Ursachen und Schicksale des Stadtbrandes zusammenfassend erläutert werden.

Asche zu Asche

Es schien für die Bürger der Stadt Plettenberg ein Tag wie jeder andere zu sein. Viele Bürger befanden sich außerorts, um ihre Felder und Äcker zu bestellen, oder gingen ihren beamtlichen, handwerklichen oder geistigen Tätigkeiten nach. Um etwa fünf Uhr jedoch bemerkte Pastor Töne in seiner Kammer, dass von draußen ein sonderbar starkes Licht hereinschien, so als wäre es vom »Mondschein« ent­standen. Als der Pastor zum Fenster trat, um sich nach der Ursache und Herkunft des sonderbaren Lichtes zu erkundigen, stellte er mit Bestürzen fest, dass aus »Henrich Brauckmanns Hause« am Kirchplatz Flammen in die Höhe stiegen.

Das Feuer hatte Brauckmanns Haus bereits komplett in Brand gesetzt und griff nun, begünstigt vom Wind und der verschachtelten Baustruktur der Stadt, auf das Rathaus und andere Bauten in der Nähe über. Zwar war der Zustand des Feuerlöschwesens in Plettenberg relativ gut; im Gegensatz zu dem Status anderer Städte und Ortschaften. Jeder Bürger verfügte über einen ledernen Feuereimer in seinem Haus; dazu besaß die Stadt Feuerleitern und Feuerhaken sowie eine Handspritze. Trotz der Vorsorgemaßnahmen war der Brand nicht zu stoppen, was seine Ursache auch in der mangelnden Löschbereitschaft der Plettenberger Bevölkerung hatte: Pastor Töne gab zwar Anweisung, die Feuerglocke läuten zu lassen, aber der zuständige Küster war nicht anwesend und es verging etliche Zeit; einige Bürger versuchten einzig und allein ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen - eine Reaktion, die in dieser Situation mehr als verständlich ist; und auch die kleine Schar der Brandbekämpfer musste schließlich den Rückzug antreten gegen eine Armee aus Feuer, die einfach nicht aufzuhalten war.

Angespornt von dem starken, sich mehrmals drehenden Wind breitete sich das Feuer nun über die ganze Stadt aus und entzündete dutzende der meist mit Stroh bedeckten Dächer. Am Abend des 12.04.1725 um 7 Uhr waren bereits 94% der Stadt vom Feuer heimgesucht worden; der Brand hatte also in nicht ganz 2 Stunden Plettenberg vollständig zerstört.

Die Zahl der Opfer, die das Feuer forderte, war hoch: mindestens 4 Menschen starben, zudem gab es mehr als 30 Verletzte. Aber auch die unverletzten Einwohner traf es hart, denn alle 136 in Plettenberg existierenden Haushalte hatten ihren gesamten Besitz verloren, auch die 80 Tuchmacher, denen der Brand nicht nur ihr privates Vermögen, sondern auch jegliche berufliche Existenzgrundlage genommen hatte. Dieses Feuer hatte eine Stadt heimgesucht, »die schon vorher nicht zu den wohlhabendsten gehört hatte«.



Bilanz des Schreckens: Auszug aus der Liste der abgebrannten Häuser

Gericht  und Wiedergeburt

Bereits fünf Tage später befasste sich die Kriegs- und Domänenkammer in Kleve mit der Untersuchung des Stadtbrandes. In Plettenberg wurden mehrere Zeugenvernehmungen vorgenommen, um die Ursache des Brandes zu klären. Nachdem mehrere Zeugen verhört worden waren, richtete sich der Verdacht schnell auf Anna Catharina Dünnebier aus Iserlohn; eine, nach Zeugenaussagen, geistig kranke Frau, die in Bauckmanns Stall angeblich Tabak geraucht haben sollte, worudch der Brand entstanden sei. Sofort wurde Frau Dünnebier in Iserlohn aufgesucht und in Ketten gelegt; nach mehreren Befragungen der geistig Gestörten berichtete schließlich ein Iserlohner Richter an die Kriegs- und Domänenkammer in Kleve, dass das »schwachsinnige Weibstück keine vernünftige Antwort von sich gegeben« hätte. Weiterhin »müsse alsdoch abgewartet werden, ob etwa noch andere Umstände sich äußern und den wahren Ursprung des Brandes vor den Tag legen möchten«.

Nach ungefähr zwei Monaten waren die Gerüchte über »das schwachsinnige Weibstück« verschwunden, und statt dessen entstand die Vermutung, dass das Feuer im Haus der Witwe Weiß entstanden sei. Daraufhin begann eine erneute Episode von Verhören und Befragungen, die schließlich damit endete, dass sich alle Personen gegenseitig beschuldigten, das Feuer ausgelöst zu haben.

So kam man schließlich zu dem Schluss, dass der Brand teilweise auf menschliches Versagen zurückzuführen sei, Brandstiftung wurde jedoch ausgeschlossen. Trotz der Untersuchungen der Kriegs- und Domänenkammer in Kleve direkt nach dem Stadtbrand ist es bis heute nicht möglich gewesen, die Brandursache vollkommen aufzudecken. So hat das Feuer nicht nur ganz Plettenberg, sondern auch sein letztes Geheimnis mit sich ins Grab genommen.

Um den Wiederaufbau von Plettenberg zu planen, trat die Kriegs- und Domänen­kammer mit dem Architekten und Kartographen Johann Michael Moser in Kontakt. Dieser entwickelte sofort Pläne für den Wiederaufbau der abgebrannten Stadt, wobei seine primäre Aufgabe in der Gliederung der Baustruktur lag. Man wollte einen klaren und übersichtlichen Grundriss der Stadt erhalten, damit nicht nochmals eine verworrene Baustruktur die Ausbreitung eines möglichen Brandes unterstützen würde. Bevor aber der Wiederaufbau der Stadt beginnen konnte, musste der Schutt schnellstens entfernt werden. Dabei waren auch die Städte Altena und Neuenrade behilflich. Danach schritt die Wiedergeburt der Stadt schnell voran und die Brandnarben des Feuers verschwanden.