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14) Das Leben des Jakob Kurths

Die Tafel 14 erzählt die Geschichte einer tödlich endenden Arbei­terdemonstration zur Zeit der Weimarer Republik. In dem damali­gen Konflikt zwischen Obrigkeit und Arbeitern versuchte Stadt­verordnetenvorsteher Jakob Kurth zu vermitteln.

Kurth, 1881 in Köln geboren, wuchs in Solingen auf und arbeitete dort als Stahlbauformer. 1904 wurde er Mitglied der SPD und engagierte sich besonders in der Metallarbeitergewerkschaft. Als er wegen seines politischen Engagements 1912 seine Arbeitsstelle verlor, vermittelte ihm die Partei als Ersatz einen Job als Ge­werkschafts-Sekretär in Plettenberg. Hier baute er den einige Jahre zuvor aufgelö­sten Ortsverein der SPD wieder auf und erwarb sich rasch einen Namen als engagierter Kommunalpolitiker.


Jakob Kurth

In den ersten Jahren der Weimarer Republik stand die politische Mehrheit in Plettenberg links. Bei der ersten Kommunalwahl nach dem ersten Weltkrieg, 1919, erreichte die SPD 51,8% der Stimmen. Jakob Kurth wurde zum Stadtverordnetenvorsteher (vergleichbar einem ehrenamtlichen Bürgermeister) gewählt.
Neben diesem Amt war er auch Kreis­tagsabgeordneter und Mitglied des Provinziallandtags. Seine maßvolle Po­litik fand parteiübergreifend Anerkennung. So erhielt er 1920 bei der Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher 22 von 23 Stimmen, besaß also das Vertrauen aller politischen Kräfte des Rates.

Kurth stand natürlich auf der Seite der Plettenberger Arbeiterschaft, war aber kein politischer Fanatiker, sondern ein Freund des Kompromisses. Statt um Ideologie ging es ihm immer um vernünftige Lösungen. So versuchte er auch in der Krisen­nacht 1923 nach der Plünderung der Villa Pühl an der Schlieffenstraße eine ein­vernehmliche Lösung zu erreichen.

Die wirtschaftliche Krise der Jahre 1922/23 hatte Plettenberg hart getroffen. Wie überall in der Republik konnten auch die Plettenberger ihren Lohn gar nicht so schnell in Ware umsetzen, wie das Geld an Wert verlor. In vielen Familien wurde das Essen knapp.

In einem Verwaltungsbericht der Stadt aus dieser Zeit heißt es:

»Was sich aber in den letzten Monaten ereignete, hat alles bisher Dagewesene weit übertroffen. Die völlige Zerrüttung der Mark, die zu Anfang des Jahres noch mit 200 für den Dollar notierte, um bis zum Schluss auf 1/5000 entwertet zu werden. Dieser un­aufhörlich forschreitende Sturz der Mark beleuchtet den Passi­onsweg der deutschen Wirtschaft und gibt ein Spiegelbild aller anderen Verhältnisse, die sich kurz durch folgende Schlagworte charakterisieren lassen: Unaufhaltsame Geldentwertung, entspre­chende Vergrößerung des Staatsdefizits, Verteuerung der Güter­transporte und des Reiseverkehrs, Portoerhöhungen, Verteuerung der Lebenshaltung, Wohnungsnot, Not der deutschen Wirtschaft, Not der Rentner usw. Die tragische Begleiterscheinung der Inflati­on war die ungeheure Teuerungswelle, die über uns hereingebro­chen ist, die die Warenpreise auf eine phantastische Höhe gegen­über ihrem Geldwert gebracht hat. Es setzte ein ununter­brochenes Jagen zwischen Löhnen und Preisen ein, bei dem am Index gemessen, einmal die Preise, das andere Mal die Löhne die Oberhand gewonnen hatten. Man ist in dem unglücklichen Jahr fortlaufend zwischen Hoffnung und Befürchtung hin und her ge­worfen worden mit dem Erfolge, dass Deutschland fast am Ende seiner wirtschaftlichen Kraft angelangt ist.«

Die wirtschaftliche Not entlud sich am 8. November 1923 bei der Plünderung der Villa des Fabrikanten Adolf Pühl, des Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes. 17 junge Männer wurden verhaftet, 500 aufgebrachte Bürger demonstrierten für deren Freilassung. Die Plettenberger Unternehmerschaft reagierte besonnen. Öffentliche Scharfmacherei blieb aus, und Firmenchef Max Schulte (Firma D. W. Schulte) setzte sich für eine Freilassung der Gefangenen ein. Jakob Kurth sprach mehrfach zu der erregten Menge und mahnte zur Besonnenheit. Den späteren Aussagen mehrerer Zeugen nach hatten die Friedensappelle Erfolg, die Demon­stranten bewahrten Ruhe. Tragischerweise endete der Konflikt dennoch blutig, als ein Polizist die Nerven verlor und Schüsse in die Menge abfeuerte.

Obwohl die SPD bei der Wahl 1924 nur noch 21,4% der Stimmen bekam und 1929 kaum besser abschnitt, blieb Kurth Stadtverordnetenvorsteher bis 1933. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 musste Kurth alle Ämter niederlegen und konnte nur noch im Untergrund politisch arbeiten. Mehrere Male wurde er verhaftet und wieder freigelassen. Im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 nahm man ihn erneut fest und brachte ihn in das KZ Oranien­burg. Dort wurde er noch im gleichen Jahr ermordet. Er starb, so die offizielle Todesur­sache, »infolge eines Halsleidens«.


Die Todesanzeige nach der Ermordung Kurths im KZ; die offizielle Formulierung lautete »einer heimtückischen Krankheit erlegen«