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Plettenberger KulTour GmbH

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26) Die Walther-Brockhaus-Siedlung

Für die Parteigenossen war ihr Bau der Beweis der Stärke der nationalsozialistischen Weltanschauung. Für ihre Erbauer war die Walther-Brockhaus-Siedlung ein gewaltiger aber lohnenswerter Kraftakt. Elf einfache Fabrikarbeiter schlossen sich im Jahr 1933 zusammen, um in Eigenregie und mit Hilfe ihres Gönners sich und ihren Familien ein Eigenheim zu bescheren.

1933 – ein Jahr, dass eng mit der „Machtergreifung“ Adolf Hitlers verbunden ist. Die sozialen und politischen Veränderungen besaßen auch bis in die entlegensten Regionen spürbare Wirkung. Doch in Kückelheim ist dieses Jahr auch mit einer engagierten Leistung eng verknüpft. Elf Bewohner verbanden ihre Kräfte, um unter Aufsicht einer Baufirma, jedoch in Eigenregie, Eigenheime zu erbauen. Hatten die Teilnehmer bereits im Vorfeld viel Respekt vor dieser Aufgabe, erwies sich die Realität als umso härter.

Zwei Personen spielten bei diesem Eigenheim-Bau am Markenbrauck bei Kückelheim eine besondere Rolle: Fabrikant Walther Brockhaus und Amtsbürgermeister und Parteigenosse Engelbert Wahle. Sie wurden zu den zentralen Förderern dieses Projekts. Kurz vor Baubeginn versammelten sich die elf Kückelheimer, um die letzten Details ihres Vorhabens zu besprechen. Es wurde festgelegt, dass zunächst alle gemeinsam an allen Häusern mitbauen würden. Erst kurz vor Fertigstellung sollte das Los die jeweiligen Gebäude ihren Besitzern zuteilen. So sollte sicher gestellt werden, dass auch jeder an jedem Haus bis zum Schluss bestmöglich mitarbeitete.

Am 17. November 1933 begannen die Bauarbeiten. Bereits nach kurzer Zeit sollte sich herausstellen, dass der so nah an die kalte Jahreszeit gelegte Baubeginn Nachteile barg. Denn im Dezember 1933 begann ein besonders schwerer Winter. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden und konnten erst im März 1934 wieder aufgenommen werden.

Doch nicht nur die Witterung und die mangelnde Praxis der Beteiligten waren Hindernisse auf dem Weg zum Eigenheim. Auch die Ausrüstung der Arbeiter ließ zunächst zu wünschen übrig. Denn die Materialien mussten anfangs über Schienen mühsam die Böschung hinauf transportiert werden. Walther Brockhaus war auch hier wieder der Retter in der Not. Ein ausgemusterter Pkw diente als Material-Wagen, mit dem die Baumaterialien wesentlich einfacher zum Bauplatz geschafft werden konnten. Hinzu kam, dass den Eigenheim-Bauern sogenannte Wohlfahrtserwerbslose zugeteilt wurden. Hierbei handelte es sich vor allem um gelernte Maurer und Tischler, die den Kückelheimern mit Rat und Tat zur Seite standen.

Bereits im Mai 1934 konnten die ersten Richtfeste gefeiert werden. Die Arbeiten gingen also zügig voran. Manche Beteiligte berichteten später sogar, dass an manchen Tagen Walther Brockhaus selbst mit Hand angelegt habe. Doch in der damals vorherrschenden euphorischen Phase ereilte die Kückelheimer ein Schock: Noch während die ersten Eigenheime verputzt und Türen und Fenster eingebaut wurden, verstarb Brockhaus, vermutlich an einem Schlaganfall in seinem Büro.