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Plettenberger KulTour GmbH

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33) Zwangsarbeit in Plettenberg

Die Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges: Sie war die größte Form der Sklaverei nach offizieller Abschaffung derselbigen. 7,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und Zivilarbeiter, ersetzten 1944 die für den „Totalen Krieg“ eingezogenen deutschen Arbeiter. Diese Masse an meist zwangsverpflichteten Menschen verteilte sich über das gesamte deutsche Gebiet. Sie wurden nicht nur in die großen Rüstungszentren des Reiches verschleppt, sondern trafen auch in kleinere industrielle und landwirtschaftliche Regionen wie Plettenberg ein.

Die Gräber der russischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter sowie das russische Denkmal auf dem kommunalen Friedhof in Ohle halten bis heute die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel des „Dritten Reiches“ wach. In allen besetzten Gebieten wurden Menschen zur Zwangsarbeit verschleppt – unzählige von ihnen überlebten den Weltkrieg nicht.

In Plettenberg gab es während des Zweiten Weltkrieges kaum ein Unternehmen, das nicht Zwangsarbeiter bei sich beschäftigte. Viele der heimischen Firmen hatten im Verlauf des Krieges teilweise ihre gesamte Produktion umgestellt, um vor allem die Flugzeug- und Fahrzeugindustrie zu beliefern. Da auch aus der Vier-Täler-Stadt zahlreiche männliche Arbeitskräfte abgezogen wurden, kamen in Plettenberg rund 1.700 Zwangsarbeiter zum Einsatz. Zumeist forderten die Firmen selbst oder die Stadtverwaltung, wie nach Beginn des Russland-Feldzuges im Sommer 1941, die Arbeitskräfte an.

Das Schicksal der meisten hier beschäftigten Zwangsarbeiter ist unbekannt. Seit Anfang 1943 sollen 73 Zwangsarbeiter versucht haben, zu fliehen. Rund ein Drittel seien wieder gefasst und an den Arbeitsplatz zurück gebracht worden. Ob die Mehrheit der Flüchtigen Erfolg hatte, ist dagegen ungewiss. Eine Flucht endete jedoch tödlich: Die Zwangsarbeiterinnen Pegalia Wolkowa und Maria Markelowa wurden gefasst und später im KZ Niederhagen gehängt. Ob es dagegen den meisten anderen Plettenberger Zwangsarbeitern überwiegend besser ging, als den vielen mangelernährten und gefolterten Menschen andernorts, ist nicht eindeutig zu klären. Es wird zwar von Misshandlungen berichtet, doch die seien eher die Ausnahme gewesen.

In der Vier-Täler-Stadt bildete sich ein kleiner „Vielvölkerstaat“, bestehend aus zwangsverpflichteten Polen, Italienern, Belgiern, Franzosen, Tschechen, Esten und Russen. Gemäß den perversen rassischen Vorstellungen der NS-Ideologie wurden auch diese Menschen kategorisiert. Dies bedeutete konkret eine bessere Behandlung und Entlohnung der west- und nordeuropäischen Zwangsarbeiter. Polen und Russen standen dagegen auf der untersten Stufe der „sozialen Leiter“, insbesondere nach den „Polen-“ und „Russen-Erlassen“ aus den Jahren 1940 und 1942. Schlechtere Bezahlung und Behandlung sowie die Pflicht zum Tragen besonderer Markierungen an der Kleidung waren nur ein Teil der Folgen dieser Erlasse.

Die meisten Plettenberger Zwangsarbeiter waren in der Industrie beschäftigt. Ihre sie beschäftigenden Unternehmen mussten Baracken zur Verfügung stellen, in denen sie hermetisch von der heimischen Bevölkerung abgeschirmt werden sollten. Rund zwei Dutzend dieser Lager gab es in Plettenberg. In den meist überfüllten Baracken herrschten sehr schlechte hygienische Zustände. Die Essensrationen wurden von deutschen Bewachern bewusst gering gehalten, die Kleidung war weniger als ausreichend. Es sind nur wenige Freizeitangebote für die Arbeitskräfte überliefert, so zum Beispiel Firmenfeiern bei den Unternehmen Seissenschmidt und Schade.

Das Jahr 1945 bedeutete auch die Befreiung der Plettenberger Zwangsarbeiter. Die meisten von ihnen kehrten in ihre Heimat zurück, nur wenige besuchten die Vier-Täler-Stadt je wieder. Lange Jahre lehnten es die meisten Plettenberger Unternehmen ab, die ehemaligen Zwangsarbeiter zu entschädigen. Erst im Jahr 2000 konnte ein Plettenberger Fonds eingerichtet werden, aus dem die Entschädigungen bezahlt werden sollen – 55 Jahre nach Ende der Versklavung von rund 1.700 Menschen. Manche Unternehmen haben sich einer Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft angeschlossen.